„Niemand rettete Muni“ – Erinnerung an Elsa Schickler und ihren Enkel Robert Muller

Sonntag, 2. Juni 2024
15:00 Uhr

Elsa Schickler

Das deutschlandweite Projekt DENK MAL AM ORT (DMAO) erinnert an Menschen, die in der NS-Zeit aus der Gesellschaft ausgegrenzt, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. An den authentischen Wohn- und Lebensorten unserer ehemaligen Nachbar:innen öffnen sich die Türen für Lesungen, künstlerische Projekte, Vorträge, Gespräche und mehr.

In Eppendorf erinnern wir in diesem Jahr an Elsa Schickler, die im Februar 1920 ihr Gewerbe als „Zimmervermieterin“ anmeldete. Im großbürgerlichen Teil von Eppendorf gründete sie ein „Pensionat“ vor allem für alleinstehende, jüdische Frauen – zunächst im Hegestieg 1, dann im Haus Haynstraße 1 und später im Loogestieg 13. Sie war geschieden und zog ihre beiden Kinder alleine groß. 1939 wurde sie gezwungen, in die Haynstraße 5 umzuziehen, in ein sogenanntes „Judenhaus“. Von hier aus wurde sie im Dezember 1941 in ein Lager in der Umgebung Rigas deportiert und dort ermordet.

Elsa Schickler hatte ein sehr enges Verhältnis zu ihrem einzigen Enkel Robert. Er war häufig bei ihr zu Besuch, denn seine Schule – das heutige Gymnasium Eppendorf – lag direkt um die Ecke. Die konnte er als „Nicht-Arier“ ab 1938 nicht mehr besuchen.

 

Robert Muller im Kulturhaus 1991

Mullers Eltern versuchten alles, um aus Deutschland rauszukommen. Sie schafften es, ein Platz für den 13-jährigen im ersten „Kindertransport“ nach England zu bekommen. In London wurde Robert von einer Familie aufgenommen.

Nach der Schule machte er eine Lehre bei einer englischen Zeitung und wurde ein erfolgreicher Journalist, Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine geliebte Großmutter hat er in dem 1960 auf deutsch erschienenen Roman Die Welt in jenem Sommer verewigt. Muller beschreibt darin das Leben des Hamburger Jungen Hannes Hacker zur Zeit der Olympischen Sommerspiele 1936, der fürchtet, dass seine nicht-arische Herkunft aufgedeckt werden könnte.

 

Eine Veranstaltung von DENK MAL AM ORT im ehemaligen Wohnhaus von Elsa Schickler in Kooperation mit Geschichtswerkstatt Eppendorf und der Mietergruppe Hayn-/Hegestraße.
Vortrag mit Präsentation eines Zeitzeugen-Interviews mit Robert Muller aus dem Jahr 1992, Vorträge von Maria Koser, Klaus Kolb (Geschichtswerkstatt Eppendorf) und Reinhard Barth (Mietergruppe Hayn-/Hegestraße).

Ort: Eingang des Haus Haynstraße 1, 20249 Hamburg-Eppendorf
Eintritt frei